Ulrike Poelk macht uns zu Mit-Designerinnen: Sie gestaltet Ketten, die dank eingebauter Magnete zu immer neuen Formen arrangiert werden können.

Auch von seinem Traumberuf kann man die Nase ziemlich voll haben. Ulrike Poelk hat diese Erfahrung schon sehr früh in ihrer Goldschmiede-Karriere gemacht: Als sie nach der Lehre in Pforzheim und ersten Stationen in Konstanz und Barcelona ein Design-Studium beginnt, macht sie um Schmuckdesign erstmal einen weiten Bogen. „Ich brauchte Abstand, einen Blick von außen“, sagt Poelk, die für ihre variantenreichen Schmuck Serien "attraente", "chainge" und "globolous" bekannt ist. 

Im klassischen Goldschmiedehandwerk, wie sie es in Pforzheim gelernt hat, geht es vor allem um Tragbarkeit und das, was sich erfahrungsgemäß gut verkauft, sagt Poelk: „Da macht man den Ring eben genau so, wie der Kunde wünscht, hier muss es glänzen, da sollen zwei Steine hin, und aus diesem Denken löst man sich nicht.“ Im Studium konnte Poelk sich lösen von dieser Fokussierung. Sechs Semester lang beschäftigte sie sich nur mit Produktdesign, von Porzellan bis Möbeln. „Ich wollte großformatiger werden. Und ich habe gelernt mit einem Konzept, einer Vision an die Dinge heranzugehen und nicht nur drauflos zu arbeiten.“

"Schmuck und Produkt mit Sinn" heißt der Kurs an der Fachhochschule Düsseldorf, in dem sie ihre Freude am Schmuckdesign wiederfindet und eine Grundidee entwickelt, die viele ihrer Entwürfe prägt: „Ich fand den Gedanken total reizvoll, dass derjenige, der meinen Schmuck trägt, selber noch frei darin ist, wie er ihn trägt. Eine Kette kann zum Armschmuck werden, den Armschmuck kannst du aufklappen und als Brosche tragen – diese Gestaltungsfreiheit für den Träger, das war mein Schmuck mit Sinn.“

Dieser Grundgedanke findet sich in vielen Stücken von Ulrike Poelk wieder, zum Beispiel den feingliedrigen Ketten "attraente" und "globolous", die dank eingearbeiteter Magnete zu immer neuen Formen arrangiert werden können. 

„Ich mag diesen Gegensatz von geradlinig und variantenreich und dass man den Ketten ihr Potenzial auf den ersten Blick nicht ansieht.“

 

Ob sich ihre Entwürfe auch verkaufen lassen – im Studium war diese Frage verpönt, sagt Poelk. „Das durfte explizit keine Rolle spielen. Bloß nicht für den Markt arbeiten! Das macht die Sache auch nicht unbedingt einfacher, aber ich fand es gut, dass der Fokus komplett auf dem Gestalten lag.“ Noch immer findet sie es wichtig, am Anfang des Gestaltungsprozesses nicht ans Verkaufen zu denken. „Irgendwann musst du dich aber fragen: Ist dieser Schmuck tragbar? Bekomme ich dafür einen realistischen Preis kalkuliert? Andererseits will ich auch keinen Massenschmuck machen, den man genauso gut im Kaufhaus finden könnte. Es ist halt immer eine Gratwanderung.“

Hier geht es zur Kollektion von Ulrike Poelk bei Wilhelm die 3.